Für ein Buchprojekt werden Gitte und ich in der nächsten Zeit verschiedene Projekte und Personen besuchen, die sich aktiv für den Tierschutz engagieren. Vor einigen Tagen fuhren wir zu Anja Bittner auf ihren kleinen Lebenshof in der Nähe von Ingolstadt, wo kürzlich über die Tierhilfe Fünfseenland Hunderte von ausgestallten Legehennen weitervermittelt wurden. Anja zeigte uns den Hof und erzählte uns ausführlich von ihrer Arbeit und den Legehühnern. Gitte hat mehr dazu auf ihrer Website geschrieben und auch auf der oben verlinkten Website der Tierhilfe Fünfseenland finden sich ausführliche Informationen sowie Möglichkeiten, den Lebenshof in vielfältiger Weise zu unterstützen.
Meine Großeltern hatten eine kleine Landwirtschaft und ich habe einen großen Teil meiner Kindheit dort auf dem Hof verbracht. Sie hatten auch Hühner und ein wenig wusste ich daher über Hühner und ihre Haltung Bescheid. Was mir auf Anjas Hof sofort aufgefallen ist, sind die schönen Ställe und Auslaufmöglichkeiten für die Hennen. Sie hat die Hühner in viele kleine Gruppen aufgeteilt, um Stress für die Tiere zu vermeiden. Es gibt mehrere kleine Ställe, jeweils mit viel Auslauf, Scharr- und Versteckmöglichkeiten, luftig, sauber, mit frischem Einstreu und zahlreichen Möglichkeiten zur Beschäftigung. Die gute Unterbringung sieht man ihnen auch an, selbst die eben frisch geretteten Tiere erkunden neugierig ihre Umgebung und bewegen sich zwar noch vorsichtig-forschend, aber mit wachsenden Selbstbewusstsein und Neugierde in ihren sicheren Bereichen. Besonders erstaunlich fand ich, wie die älteren Tiere, die schon länger auf dem Hof leben, wieder Zutrauen zu Menschen finden, obwohl sie ein Leben lang geschunden und ausgebeutet wurden.
Ich war sehr beeindruckt von der enormen Arbeit, die dort auf dem Lebenshof gestemmt wird – alles neben der normalen Erwerbsarbeit. Auch wenn bei einer Anzahl von ca. 45 Millionen Legehennen in Deutschland die Rettung von ein paar hunderten durch Anja und ihre Helferinnen und Helfer weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein bedeutet – vielleicht können sie durch ihre Arbeit anderen Menschen bewusst machen, wie sehr wir für ein paar Eier Tiere gnadenlos ausbeuten und verschleißen.
Ich musste, als ich die frisch „ausgestallten“ Hühner auf dem Hof sah, sofort an meine Großmutter denken. Wären ihre Hühner damals in so einem Zustand gewesen, sie hätte sich geschämt. Irgendwo sind wir da mal falsch abgebogen …